Bad Ems, 23.08.2026 – Wenn aus vielen Stimmen ein gemeinsamer Klang wird

Etwa 370 Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Chören des Bistums kamen zum Pueri Cantores Kinder- und Jugendchortag in Bad Ems zusammen. Zwischen Proben, Stadtrallye, Malaktion und Open Stage stand vor allem eines im Mittelpunkt: die Freude am gemeinsamen Singen. Beim abschließenden Friedensgebet in der St. Martinskirche wurde schließlich spürbar, was den ganzen Tag geprägt hatte: Aus vielen einzelnen Stimmen war eine große Gemeinschaft geworden.

Los ging es am Vormittag im Kurhaus Bad Ems mit einem gemeinsamen WarmUp und Gebet. Schon da wurde spürbar: Hier treffen viele junge Menschen aufeinander, die gemeinsam eine Leidenschaft teilen. Etwa 370 junge Sängerinnen und Sänger waren zum Kinder- und Jugendchortag des Pueri Cantores Diözesanverbands Limburg angereist, darunter die Limburger Dommusik, Giovani Cantori Hachenburg, die ChorSingSchule am Rheingauer Dom, und der Kinder- und Jugendchor St. Peter in Ketten. Kantor Jan Martin Chrost vom St.-Martins-Chor Bad Ems freute sich sehr, dass so viele an dem Tag nach Bad Ems gekommen waren. Gemeinsam wurde gelacht, geprobt, gespielt und vor allem gesungen.

Für Florian Brachtendorf, Vorsitzender des Pueri-Cantores-Diözesanverbands Limburg und verantwortlich für den Chortag, ist genau diese Begegnung ein wesentlicher Grund für einen solchen Tag. „Besonders ist, dass die Kinder rauskommen aus ihrem eigentlichen Ort, wo sie sonst auftreten und hier gemeinsam mit anderen Chören singen“, erklärt er. Statt immer nur mit dem eigenen Chor zusammen zu sein, begegnen die Kinder und Jugendlichen vielen anderen, „die das Gleiche machen“. Das Schöne ist, dass die Kinder- und Jugendlichen gemeinsam zusammenkommen, mit vielen, die man noch nicht kennt oder vielleicht bereits von früheren Treffen kennt. „Diese Gemeinschaft stärkt nicht nur jeden Einzelnen, sondern auch die Chorgemeinschaft.“

„Weil der Himmel bei uns wohnt“

Das diesjährige Motte „Weil der Himmel bei uns wohnt“ greift ein Lied aus dem Friedensgebet am Nachmittag auf. Brachtendorf sieht darin eine Verbindung zu der Chorgemeinschaft. „Es spiegelt uns selbst wider. Das singen in Gemeinschaft, für den Frieden und die Begegnung in Freundschaft.“ Dazu gehöre aufeinander zu achten und freundliche zueinander zu sein.

Wie viel Freude die Begegnungen machen, erzählen auch Alisa (16) und Valeria (17) vom Chor Giovani Cantori aus Hachenburg. Seit fast acht Jahren singen sie gemeinsam. Für Alisa ist es vor allem die Gemeinschaft, die den Chortag besonders macht: „Einfach zusammen singen macht Spaß und beim anschließenden Friedensgebet dann zu hören wie es klingt, finde ich ganz toll.“ Valeria freut sich vor allem darüber, „neue Lieder kennenzulernen, die man sonst nicht hört.“ Sie begeistert es immer wieder, die Dynamik zu erleben, welche bein einsingen ensteht. Ein ganz besonderes Highlight sind auch die Chorpullis, die die anderen Chöre tragen.

Auch Luisa (10) und Julia (12) von der ChorSingSchule am Rheingauer Dom genossen den Tag vor allem als Gemeinschaftserlebnis. Gemeinsam essen, spielen und bei der Stadtrallye Bad Ems entdecken – das waren ihre Höhepunkte des Tages. Besonders schön fand Luisa: „Dass wir alle zusammen auch ein Spiel gespielt haben, wo alle mitmachen konnten und wir dabei laut im Regen gesungen haben.“

Viele Stimmen – ein gemeinsamer Klang

Dass aus vielen einzelnen Chören ein gemeinsamer Klang entstehen kann, war bereits bei den Proben am Vormittag zu erleben. Für Außenstehende mag es zunächst kompliziert sein, mehrere hundert Sängerinnen und Sänger gleichzeitig zusammenzubringen. Chorleiter Florian Brachtendorf sieht dem jedoch entspannt entgegen: „Wenn vorne jemand steht und die Hand hebt, dann muss man genau aufpassen, wann setzt man ein.“ Die Kinder und Jugendlichen kennen diese „Spielregeln“ des gemeinsamen Singens. Und so könne aus vielen einzelnen Chören ein großer gemeinsamer Chor werden.

Auch für Aaron, 16 Jahre alt und seit zehn Jahren bei den Limburger Domsingknaben, gehört genau dieser Austausch zu den besonderen Erfahrungen eines Chortags. Er schätzt, dass er andere Chöre kennenlernt und erleben kann, wie unterschiedlich Chöre zusammenklingen. Sein persönliches Highlight des Tages ist das Friedensgebet.

Viel Raum für Begegnung

Bei der Stadtrallye ging es durch Bad Ems und zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten. Währenddessen lernten sich die Kinder aus den unterschiedlichen Chören auch abseits der Musik kennen. So wurde aus dem Chortag schnell mehr als nur ein gemeinsamer Probentag.

Neben den musikalischen Proben gab es viel Raum für Begegnung. Bei einer gemeinsamen Malaktion entstand ein großes Banner, auf dem sich die verschiedenen Chöre und Jugendverbände verewigten und welches beim abschließenden Friedensgebet im Altarraum aufgestellt wurde.

Neue geistliche Begleitung

Neu dabei war Kaplan Lucas Weiss, der als geistlicher Beirat im Vorstand des Pueri-Cantores-Diözesanverbands mitarbeitet. Seine Aufgabe sieht er darin, die Arbeit des Verbands geistlich zu begleiten und dabei auch die Perspektive der Kirche einzubringen. Gleichzeitig möchte er nah bei den Menschen sein, die die Chorarbeit gestalten. Am Vormittag hatte er bereits einen Workshop angeboten, wo Fürbitten für die Vesper geschrieben wurden.

„Einfach zu sehen, was für eine Freude da viele durch gemeinsame singen“, sei für ihn ein wichtiger Grund, sich für die Arbeit zu engagieren. Gerade die Kinder und Jugendlichen liegen ihm dabei am Herzen: „Da liegt ja auch Zukunft drin.“ Er sieht seine Aufgabe in der Begleitung der Chöre und möchte ihnen zur Seite stehen.

Lucas Weiss möchte deshalb nicht nur bei den großen Chortagen dabei sein. Er betonte beim Austausch mit den Chorleitenden, dass er darüber hinaus mit ihnen im Austausch bleiben möchte und sie auch gerne nach und nach besuche.

Für ihn gehört dabei das Geistliche selbstverständlich zum Chortag dazu. Das Friedensgebet solle nicht einfach nur eine „Vorführung des Erlernten“ sein. Die Kinder und Jugendlichen sollten merken, dass sie selbst aktiv teilnehmen können – durch den Gesang, aber auch durch das Gebet.

Am Nachmittag zeigte sich dann noch einmal die ganze Vielfalt der Chöre. Bei der Open Stage im Marmorsaal des Kurhauses präsentierten die Gruppen auf ganz unterschiedliche und abwechslungsreiche Weise, was in ihnen steckt.

Friedensgebet ist Höhepunkt des Tages

Am Ende des Tages kam dann der Höhepunkt: das Friedensgebet in der St. Martinskirche. Für Florian Brachtendorf ist dieser Moment jedes Mal etwas Besonderes. „Definitiv das Friedensgebet“, sagt er auf die Frage nach dem Höhepunkt des Tages. Wenn so viele Kinder und Jugendliche gleichzeitig singen und in einer großen Gemeinschaft zusammenkommen, sei das „sehr, sehr beeindruckend“.

Auch Lucas Weiss hatte sich besonders auf diesen Moment gefreut. Schon während der Proben hatte er die Stimmen der Kinder und Jugendlichen gehört und als ganz besonders empfunden. Wenn sich dann eine ganze Kirche mit diesen Stimmen fülle und alle gemeinsam sängen, entstehe ein „richtig erhebendes Gefühl“.

Und genau das war in der Martinskirche zu erleben. Nach einem Tag voller Bewegung, Gespräche und Musik wurde es noch einmal ganz berührend. Die Kinder und Jugendlichen sangen gemeinsam, brachten Fürbitten ein und machten mit ihren Stimmen den Gedanken des Friedens erfahrbar.

Singen für den lieben Gott

In der Vesper lenkte Weiss den Blick auf die innere Ruhe und dass nicht immer alles perfekt sein müsse. Vielmehr stand die Freude am Singen und die Haltung dahinter im Mittelpunkt: „Du singst für den lieben Gott.“. Entscheidend sei, sich Mühe zu geben, sich einzulassen und aus dem Herzen zu singen. Musik könne dabei helfen, zur Ruhe zu kommen. Und genau diese Momente der Ruhe brauche jeder, um aus dieser Ruhe heraus handeln zu können. Frieden sei deshalb nicht nur etwas Fernes oder Zukünftiges. Er könne bereits im eigenen Handeln und im Umgang miteinander entstehen.

Für Lucas Weiss ist genau das ein wichtiger Gedanke des Friedensgebets. „Wir schaffen ihn jetzt schon durch unser Tun“, sagt er. Der Frieden sei damit nicht nur ein Gebet um etwas, das irgendwann Wirklichkeit werden soll. Wenn Menschen zusammenkommen, einander begegnen und gemeinsam singen, könne dieser Frieden bereits gegenwärtig werden.

So wurde der Chortag in Bad Ems schließlich selbst zu einem Stück gelebten Friedens. Und aus einem Tag voller Singen, Spielen und Begegnung wurde ein Zeichen dafür, dass Gemeinschaft dort beginnt, wo Menschen einander zuhören – und gemeinsam ihre Stimme erheben.

Text und Fotos: Bistum Limburg / Pauline Erdmann