Katholikentag in Erfurt 2024

Im Schatten des Erfurter Doms und der Severikirche hat der 103. Deutsche Katholikentag vor einem Publikum von etwa 6.000 Besuchern sein Ende gefunden. Mit gleich drei Chören standen die „Pueri Cantores“ am ersten Junisonntag erstmals auf der Bühne eines solchen Abschlussgottesdienstes. Der dreieine Chor aus den Diözesen Erfurt, Berlin und Dresden-Meißen gestaltete den musikalischen Rahmen der großen Abschlussmesse auf den Erfurter Domstufen, die zwar von Gewitterwolken bedeckt doch im Trockenen stattfinden konnte.

„Mache uns zu Werkzeugen deines Friedens“

Bereits am Freitag zuvor waren der Berliner Jugendkathedralchor St. Hedwig, unter der Leitung von Domkapellmeister Harald Schmitt und die Dresdner Kapellknaben, geleitet von Domkapellmeister Christian Bonath, in die Heimatstadt des Kinder- und Jugendchors am Erfurter Dom und seiner Leiterin Elisabeth Lehmann-Dronke, Präsidentin des Bundesverbands der „Pueri Cantores“, angereist. Mit dem Zug, Reisebus und zu Fuß fanden die drei Chöre aus dem „Diözesanverband Region Ost“ ihren Weg zu diesem Treffen katholischer und anderskonfessioneller Christen.

Kaum angekommen, war es Zeit für die zweite gemeinsame Probe im Erfurter Priesterseminar. Ein Teil hatte sich vorbereitend schon eine Woche zuvor in Dresden getroffen. Noch am selben Freitagabend gestalteten sie ein musikalisches Friedensgebet in der bis auf den letzten Platz gefüllten evangelischen Predigerkirche. Unter dem Motto „Make us instruments of your peace“ („Mache uns zu Werkzeugen deines Friedens“) führten sie zu Beginn das Kyrie aus der „Peace mass“ von Bob Chilcott auf. Dem als Vesper gestalteten Gottesdienst stand der Dresdener Bischof Heinrich Timmerevers vor, der durch Vincent Dollmann, den Erzbischof der französischen Diözese Cambrai als Abgesandten der französischen Bischofskonferenz, begleitet wurde. An der Orgel begleitete Matthias Mück, Beauftragter für die Kirchenmusik im Bistum Magdeburg, auch noch die weiteren Stücke der jungen Sänger.

Auch das reich ausgefallene Publikum des, für die „Pueri Cantores“ auf dem Katholikentag schon fast zu Tradition gewordenen, Friedensgebets zeigte seine begeisterte Teilhabe an diesen Friedensgesängen. Der Hymnus „Nun jauchzt dem Herren alle Welt“ von Thomas Tallis und der vierte Psalm „Verleih dein Richteramt, o Gott“ erklangen im Wechsel zwischen der Gemeinde und den Chören. Die Lieder waren noch bis vor die Portale des gotischen Baues zu hören, durch das immer weitere neugierige Passanten die Kirche betraten. Der deutschlandweite „Pueri-Ohrwurm“ „Herr du bist mein Leben“ in einem Satz von Klaus Wallrath wurde prominent unterstützt durch ein Bläserquintett des Theater Erfurt. Mit dem Gesang „Lass uns deinen Frieden suchen“ von Christian Heiß und Marius Linnenborn passte diese musikalische Gebetsstunde genau zu dem Motto des diesjährigen Katholikentags: „Zukunft hat der Mensch des Friedens“.

Den Frieden Gottes singen

Auch die langjährige Tradition des Verbandes der „Singenden Kinder“ ist die eines wahren, göttlichen Friedens. Geprägt von ihrem konstituierenden Leitwort „Morgen wird die Jugend der ganzen Welt den Frieden Gottes singen“, musizierten die Kinder und Jugendlichen in Erfurt, als Mahnmal für Gottes Frieden auf der Welt: „Wir singen zusammen für den Frieden“ und „zum Lobe Gottes“, erklärte Präsidentin Elisabeth Lehmann-Dronke im Interview mit Ursula Vosshenrich des „rbb“. Aus dem Lobpreis dieser jungen Kinder ströme eine wunderbare Nachricht hervor: „Wir strahlen in die Welt. Es gibt eine junge lebendige Kirche!“ Das Singen öffne „von ‚Ich‘ zum ‚Wir‘“ und fördere „ein Miteinander“: Alles in allem sei der Gesang „ganz wunderbar gesund“, erklärte Lehmann-Dronke mit einem kleinen Auflachen.

Zugleich habe es der Chorgesang auch zum Ziel, dass die Sänger durch die „Gemeinden in denen sie sind, in den Liturgien, in denen sie singen“ in ihrem persönlichen „Glauben wachsen können“, fügte die Präsidentin des Bundesverbands hinzu. Die Kinder könnten gerade dadurch sehr viel mit auf ihren Weg bekommen: „Ich brauche ein Fundament in meinem Leben: Dieses Fundament kann Gott sein“. Eine der Sängerinnen des Projektchores merkte dazu an, dass es wichtig sei „mit der Musik auch Gott zu loben. Das macht schon sehr viel Spaß!“

Anlass für die Teilnahme der „Pueri Cantores“ auf dem Katholikentag sei es gewesen, ein gemeinsames Zeichen „für den Frieden“ und „zum Lobe Gottes“ zu setzen. Da die drei Chöre aus der „Region Ost“ kommen, sei es auch eine gute Möglichkeit gewesen, um zu zeigen: Es „gibt uns in der Kirche“ und eine Idee zu vermitteln, „wie wir in der Diaspora leben“, schloss die Dirigentin des Kinder- und Jugendchores am Erfurter Dom.

Proben, Singhaltestellen und eine Eispause

Mit dem Samstag brachte das Wetter die ersten größeren Schwierigkeiten: Unter gelegentlichen, aber starken Schauern mussten die Sänger vorbereitend für den Sonntag, für ihre Proben von den Domstufen auf die Hauptbühne des Domplatzes umziehen. Ab und zu konnte die Sonne doch hinter den Regenwolken hervorscheinen und die Gemüter aufheitern. Für den Livestream der Messe durch den „MDR“ musste die Ton- und Videoabnahme ins Kleinste vorbereitet werden: Ein Probelauf durfte auch nicht fehlen. Am Abend machten sich die Sänger, nach kurzen Besuchen an den Ständen des Katholikentags, auf dem Weg in die Innenstadt. An drei verschiedenen Stellen in Erfurt gaben die drei Chören zur Begeisterung der Passanten Impromptu-Konzerte. Diese „Singhaltestellen“ führten die „Pueris“ vor das Rathaus am Fischmarkt, an die bekannte Krämerbrücke beim Wenigemarkt und auf den Anger.

Wieder war auch der Bischof von Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, dabei. Diesmal füllte er, ohne zu zögern, die Eiskasse der Chorkinder ausreichend. Ein anschließender Besuch bei der Eisdiele Riva stärkte bei den jungen Sängern nach einem langen Tag die Moral für ihren großen Auftritt am nächsten Tag. Nach Programmänderungen und Komplikationen durch das gelegentlich schlechte Wetter endete der Probensamstag anstelle einer großen Chorparty für viele vor der Leinwand und dem Champions-League Finale.

Der grandiose Abschluss

Der Sonntag brachte den Höhepunkt der musikalischen Beteiligung der „Pueri Cantores“ und zugleich den Schlusspunkt des 103. Katholikentags. Mit auf der Musikbühne vertreten: Das interkulturelle Ensemble „Klänge der Hoffnung“ verströmte einen Arabesque angehauchten Instrumentalklang.

Das Kyrie, Gloria und Agnus Dei entstammten der Missa „Ego sum panis vivus“, komponiert von Christian Matthias Heiß. Zum Antwortpsalm erklang festlich das „Psalite Deo“ (Singt und spielt für Gott). Besonders hier sorgte wieder das Bläserquintett vom Theater Erfurt, entgegen der schlechten Akustik auf dem offenen Domplatz, für den nötigen Nachdruck. Den sehnsüchtigen Text des Kommunionverses „Ego clamavi“ („Ich rufe dich an, denn du erhörst mich Gott“) intonierten besonders die Dresdner Kapellknaben mit einem feinen Ausdruck.

Auf dem Domplatz hatten sich Tausende Messbesucher versammelt, darunter auch Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Am Altar auf dem Domstufen stand der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Limburger Bischof Georg Bätzing.

Dann kam die Zeit zum Abschied. Der Heimweg führte die erfüllten Kinder den langen Weg zurück in Richtung Dresden und Berlin – die Erfurter Kinder nur mit einem kleinen Spaziergang – nach Hause: Bei allen aber war die Freude der göttlichen Friedensbotschaft im Herzen und nachklingend in den Ohren. Trotz aller anfänglichen Unsicherheiten war es doch ein großer Erfolg.